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Wie kommt man als Musiker zu der Ehre, die Laudatio anlässlich der Vernissage eines Malers zu halten?

Das war meine erste Frage, die ich Mathias Buß auf seine Anfrage stellte.
Seine Antwort hat mich verblüfft: als Gast eines meiner Konzerte mit dem Chorensemble THURINGIA CANTAT erklärte er sich beeindruckt von der scheinbaren Leichtigkeit des Musizierens, von der geballten Lust und Freude, die von der Bühne auf die Zuhörer überschwappte.

Das also ist der simple Grund dafür, dass Sie sich jetzt die Gedanken eines Musikers zu den Werken eines befreundeten Malers werden anhören müssen.

Mathias Buß ist in Weimar bekannt wie ein bunter Hund – meint man...
Diese kleine, aber von Kunst und Kultur überbordende Stadt nimmt ihn war als Rundfunkmacher, als Gestalter und Motivator, der beweglich ist und etwas in Bewegung bringen kann. Mit seinem Radio LOTTE erhielt er 2003 den renommierten WeimarPreis der Stadt.

Die wenigsten aber kennen ihn als Architekten, der zum Beispiel aktuell mit seiner Promotionsarbeit „Gebaute Heilkunst versus Krankenhaus“ in ein Wespennest stoßen wird und den Widerspruch unseres konservativen Gesundheitssystems geradezu provoziert.

Und ebenso bleibt vielen verschlossen, dass sich hinter dem Macher ein sensibler Künstler verbirgt, der die Malerei benutzt, um eine sichtbare Verbindung zwischen seiner Innenwelt und der ihn umgebenden Realität auszudrücken.

Einige von Ihnen werden seine Namibia-Ausstellung in der Kunsthalle gesehen haben. Im heutigen Teil 2 widmet er sich der Landschaft, wo seine Seele zu Hause ist. Immer wieder zieht es ihn an die Ostsee zurück und er selbst empfindet Thüringen besonders im Sommer wie ein Trockendock.

Hier dagegen begibt er sich auf die Suche nach dem Zauber der Schöpfung, empfindet das Malen wie eine Meditation, wie einen Ausgleich.
Wenn man sich Zeit nimmt, übertragen sich bei der Betrachtung der Bilder die Schwingungen der Natur wie eine Brücke zur inneren Seelenwelt.

Mathias Buß malt Pastelle. Im Wörterbuch habe ich gefunden, dass der Begriff vom italienischen „Pastello“ abgeleitet wird, was man wohl am besten mit „Farbteig“ übersetzen könnte. Ich unterstelle, dass die Auswahl dieser Technik kein Zufall ist.

Bewusst scheint der empfindsame Künstler dieses empfindliche Pastell als ideale Darstellungsweise für sich entdeckt zu haben. Zeichnen vermischt sich mit Malerei, staubige Farbschichten werden neben- und übereinander
aufgetragen und mit den Fingern verwischt. So entstehen zarte Farbübergänge, die eine ganz eigene körperliche Unmittelbarkeit zwischen Künstler und Bild ermöglichen.
Das genau scheint ihn zu faszinieren, den Metaphysiker, den ewig Wandelnden und Fragenden. Da teilt sich einer mit, der gar nichts mitteilen möchte. Er liebt Bilder ohne Sinn und Verstand, die sich dem analytischen Blick entziehen und den Betrachter staunen lassen wie ein kleines Kind.
In den Bildern finden wir keine Gerade – eine Analogie zum eigenen Leben, das sich wie ein mäandernder Fluss scheinbar ziellos hin und her schlängelt, und sich doch unaufhaltsam dem Meeresspiegel und seiner Mündung nähert?

Ich wünsche ihm, dass er den Phantasten, den Träumer und Utopisten in sich erhält, ein Luxus, den sich heute nur die Wenigsten leisten können, und dass er auf der Suche nach seinem Hafen noch lange nicht ankommen wird.

Ich gönne ihm von Herzen sein Spielzeug, sein so innig von ihm geliebtes Segelboot HIDDEM, Baujahr 1888, das nach dem alten Zisterzienser-Kloster auf Hiddensee benannt ist und nur knapp 100 Meter von dieser Galerie im Museumshafen liegt.

Und ich danke ihm ganz persönlich für die Einladung zu dieser Vernissage, die unerwartet und ungewollt einen Kreis schließt, den die drei Beteiligten nicht schöner hätten erfinden können:

Matthias Buß hatte keine Ahnung davon, dass unser Akkordeonist Tobias Morgenstern nicht nur Ensemble-Mitglied der Seebühne, sondern auch ein alter Studienkommilitone von mir ist. Gemeinsam haben wir vor langen Jahren in Weimar den Musiker-Studentenclub zum Leben erweckt. Einer seiner ehemaligen Schüler ist jetzt mein Student an der Universität der Künste in Berlin, mit dem ich gerade gemeinsam ein spannendes Projekt erarbeite, das unter dem Titel „uni_sono. für toleranz. gegen gewalt“ aktuelle Probleme Jugendlicher thematisiert. Vielleicht auch kein Zufall, dass uns die Ausstellung heute hier mit Ihnen zusammenführt, denn wir Musiker und Maler haben zwar unterschiedliche Ausdrucksformen gewählt, doch uns verbindet ein grenzenloser und friedlicher Optimismus.

Davon sollen Ihnen die Pastelle von Mathias Buß soviel wie möglich mit auf den Weg geben.

 

[Licht und Weite] [Laudatio Bühne 602]